Sensation aus Tübingen: Forscher melden Alzheimer-Durchbruch
Ein neuer Wirkstoff zeigt in Phase II Effekte, die selbst Skeptiker aufhorchen lassen.

Was Forscher des Hertie-Instituts in Tübingen am Donnerstag verkündeten, könnte sich als einer der wichtigsten Momente in der modernen Neurowissenschaft erweisen. Ein bisher unter dem Codenamen TBN-417 entwickelter Wirkstoff hat in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 612 Patienten den kognitiven Abbau um 41 % verlangsamt — über 24 Monate.
Die Zahlen sind nicht nur statistisch signifikant, sie sind klinisch relevant. Das ist ein Unterschied, der in der Alzheimer-Forschung in den letzten 20 Jahren nur selten formuliert wurde. „Wir haben Patienten beobachtet, die nach 18 Monaten in der Lage waren, Tätigkeiten wieder eigenständig auszuführen, die sie längst aufgegeben hatten", sagt die leitende Forscherin Prof. Dr. Anja Bertholdt im Gespräch mit ShadeDrift.
Was den Wirkstoff besonders macht, ist sein Ansatz: Statt der vielfach gescheiterten Beta-Amyloid-Strategie zielt TBN-417 auf einen erst 2021 identifizierten Tau-Rezeptor — einen Mechanismus, von dem viele in der Fachwelt lange annahmen, er sei „klinisch nicht adressierbar".
Doch nicht alle sind euphorisch. Drei renommierte Neurologen aus den USA, Israel und Schweden haben in Statements gegenüber dem Fachmagazin „Nature Medicine" zur Vorsicht gemahnt. „Wir kennen das Muster", sagt einer von ihnen. „Phase II sieht oft brillant aus. Phase III ist die wahre Bühne."
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