Der Berliner Mantel ist zurück — und teurer als je zuvor
Was 2009 in Mitte begann, ist 2026 globale Mode. Der Aufstieg eines Stücks Stoff.

Schwarz. Übergroß. Bewusst zerknittert. Der „Berliner Mantel" — diese inoffizielle Uniform der hauptstädtischen Kreativszene — feiert ein Comeback. Aber diesmal nicht als Anti-Mode, sondern als Statussymbol. Mit Preisen, die das Original ad absurdum führen.
Das Original-Stück, 2009 von einem ungenannten Designer in einer Hinterhof-Werkstatt in der Brunnenstraße entworfen, kostete damals 89 Euro. Heute zahlen Käuferinnen und Käufer in den Showrooms von Paris, Mailand und Tokio bis zu 2.890 Euro für eine Replik desselben Schnitts — gefertigt in derselben kleinen Werkstatt, nur mit besserem Wollstoff aus Yorkshire.
Auf den Straßen von Berlin-Mitte sieht man ihn an jeder zweiten Person: lang, weit, mit überschnittenen Schultern und genau dieser einen, scheinbar zufälligen Falte am Revers, die in Wahrheit das Ergebnis von 14 Stunden Bügelarbeit ist. Der Trend ist so dominant, dass Trendforscher von einem „post-Berliner Moment" sprechen.
„Was ich faszinierend finde", sagt die Modesoziologin Dr. Helene Tabor, „ist, dass dieser Mantel etwas Bürgerliches geworden ist. Er signalisiert nicht mehr Rebellion, sondern Zugehörigkeit. Er ist die neue Krawatte." Eine These, die nicht alle teilen — aber alle gehört haben.
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